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25.06.2009 RZB erwartet Stabilisierung der Konjunktur

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GiebelkreuzPlangemäß haben die Vorlaufindikatoren der Konjunktur im ersten Quartal ihren Tiefpunkt erreicht und bewegen sich seither nach oben. Dies gelte vor allem für Umfragewerte bei Unternehmen und Haushalten hinsichtlich der künftigen Entwicklung, sagte Valentin Hofstätter, Senior Analyst der Raiffeisen Zentralbank Österreich AG (RZB). Damit sollte auch der schlimmste Teil des Konjunktureinbruchs mit dem ersten Quartal vorbei sein, und einer Konjunkturstabilisierung im zweiten Halbjahr Platz machen. Der Weg zurück zu einer Normalisierung wird aber langwierig.
 
Die Aktienmärkte erleben im dritten Quartal im langjährigen Durchschnitt ihre volatilste Periode. Dies könnte sich auch 2009 bewahrheiten. "Neben schlechten Unternehmensergebnissen, die zu Beginn die Börsenlaune eintrüben dürften, stehen die Konjunkturhoffnungen auf der Habenseite der Investoren", meinte Helge Rechberger, Aktienmarktanalyst der RZB.
 
Stabilisierung der Konjunktur in der Eurozone
 
Mit dem Rückgang der Wirtschaftsleistung in der Eurozone im ersten Quartal 2009 ist das
BIP-Wachstum in der Eurozone bereits zum vierten Mal in Folge negativ. Der Wert der Veränderungsrate lag zu Beginn des Jahres gar bei -2,5 Prozent. Geprägt wird die scharfe Rezession von einem massiven Einbruch bei der Investitions- und Exportnachfrage. "Mittlerweile haben aber Konjunkturvorlaufindikatoren den Boden erreicht und konnten erste Anstiege verbuchen", so Hofstätter. Auch im zweiten Quartal dürfte sich die Wirtschaftsleistung erneut reduzieren, doch erstmals sollte sich die Rezession nicht weiter verschärfen. Im Laufe des Jahres wird sich die Konjunktur weiter stabilisieren – dennoch haben Vorlaufindikatoren noch einigen Weg nach oben.
 
"Für die zweite Jahreshälfte halten wir – anders als die überwiegende Meinung – einen kleinen Rebound der Produktionstätigkeit bereits für möglich und setzen eine leichte Zunahme der Wirtschaftsleistung an", erklärte Hofstätter. Gründe wären ein Wiederauffüllen der Lager und das Greifen der fiskalischen und geldpolitischen Maßnahmen. „Das 2010 dann wieder geringfügig über Null liegende Wirtschaftswachstum in der Eurozone wird sich für den Großteil der Bevölkerung aber weiterhin wie eine Rezession anfühlen, da mit einem BIP-Wachstum nur knapp über Null die Arbeitslosenrate auch 2010 weiter ansteigen, und die Kapazitätsauslastung unnatürlich tief bleiben wird.“
 
Hofstätter sieht in diesem Umfeld bis 2010 hinein keinen Preisdruck. Die starke Ausweitung der Zentralbankgeldmenge, die nicht in die breite Wirtschaft gelangt, wirkt derzeit nicht preistreibend. "Später muss die Notenbank allerdings rasch die überschüssige Liquidität zurückholen", so der RZB-Analyst. Die Inflationsrate in der Eurozone, zuletzt 0,0 Prozent p.a., wird zunächst aber von der zurückliegenden Ölpreisentwicklung geprägt: Im Sommer fällt die Teuerung unter die 0 Prozent-Marke und steigt dann wieder auf Werte über 1 Prozent p.a. bis 2010.
 
US-Wirtschaft im zweiten Halbjahr wieder über Null, dennoch "gefühlte Rezession"
 
Während die US-Wirtschaft um die Jahreswende noch mit -5,7 Prozent im ersten Quartal 2009 schrumpfte, hat sich das Tempo dieses Rückgangs im zweiten Quartal bereits deutlich verlangsamt. "Im zweiten Halbjahr sollte dann der Wechsel zu schwach positiven Quartalswachstumszahlen beim BIP gelingen, gefolgt von positivem, aber immer noch sehr schwachem BIP-Wachstum in 2010", erklärte Hofstätter. "Wir haben an diesem Konjunkturausblick seit dem letzten Quartal nichts geändert, das Jahreswachstum des BIP wäre damit 2010 immer noch ähnlich schwach wie im letzten Rezessionsjahr 2001."
 
Die Nachwirkungen der Immobilien- und Verschuldungsblase werden in den USA trotz des beispiellosen Stimulus von Fiskal- und Geldpolitik zu einer längeren Phase des Verschuldungsabbaus und damit Konsumzurückhaltung führen. "Die negative Realeinkommensentwicklung 2010, vermutlich gemeinsam mit einer Stagnationsphase, wird sich für viele auch wie eine Verlängerung der Rezession anfühlen."
 
Notenbanken: Zinsen bleiben tief
 
Die Europäische Zentralbank lässt sich bislang das Fenster für weitere Zinssenkungen offen, das Zinstief dürfte aber bei aktuell einem Prozent erreicht sein. Mit den aufhellenden Konjunktursignalen dürfte die Notenbank auf einen „wait and see“ Modus schalten.
Mit zunehmendem Marktoptimismus hat sich der Zinsmarkt in den USA zuletzt sogar bereits dazu hinreißen lassen, für Jahresende 2009 eine erste Leitzinsanhebung der US-Notenbank (Fed) einzupreisen. Dafür ist es aber heuer noch viel zu früh.
                          
Einschätzungen EUR/USD, EUR/CHF
 
Mit dem Ende der EZB-Zinssenkungen rückte im ersten Quartal die Sorge um die weitaus aggressivere Geldpolitik der Fed wieder stärker ins Blickfeld. Der USD schwächte sich damit bis Juni auf unsere Prognose von EUR/USD 1,40 ab. Unterstützt wurde diese Bewegung auch durch den sprunghaft gestiegenen Risikoappetit der Investoren. Von der Zinsdifferenz in den kommenden Quartalen ist kein großer Einfluss auf EUR/USD zu erwarten.
 
Beim Schweizer Franken (CHF) dürften sich das „Quantitative Easing“ der Schweizerischen Nationalbank und der Aufwertungsdruck durch weltweites Deleveraging die Waage halten, sodass bis Jahresende nur eine geringfügige Abschwächung des CHF zu erwarten ist.
 
Attraktive Renditeniveaus bei Staatsanleihen, Unternehmen emittieren ungebremst
 
Signale, dass das Tief der Rezession vorüber ist, haben im zweiten Quartal empfindliche Renditeanstiege ausgelöst. Die nunmehr sehr steile Zinskurve preist schon viel Konjunkturoptimismus ein. Die nach wie vor hohen Renditeaufschläge der EUR Staatsanleihen zur deutschen Benchmark halten die Analysten für attraktiv. Sie rechnen in den kommenden Quartalen mit einer Verflachung der deutschen Renditekurve.
 
Was Unternehmensanleihen betrifft, so läuft der Primärmarkt mit einem Emissionsvolumen von bisher über 170 Milliarden Euro in diesem Jahr phänomenal stark. Die Emissionstätigkeit von Unternehmen ist weiterhin ungebremst, wobei die Primärmarktprämie abnimmt. Trotzdem sind die Renditeaufschläge gegenüber Staatsanleihen, die Investoren mit Unternehmensanleihen derzeit erzielen können, immer noch außergewöhnlich hoch. Sie liegen für den Gesamtmarkt immer noch deutlich über dem, was an (noch steigenden) Unternehmensausfällen zu erwarten ist. Unternehmensanleihen sind deshalb – wie auch schon für das zweite Quartal empfohlen – immer noch eine sehr attraktive Veranlagungsalternative und werden von den Analysten der RZB weiterhin zum Kauf empfohlen.
 
Aktienmärkte: Erholung, aber keine neue Rally
 
Die US-Aktienindizes haben ab der zweiten Märzwoche zu einer Erholungsbewegung angesetzt. Die Konjunktur-Vorlaufindikatoren konnten deutlich von den ursprünglich sehr tiefen Niveaus aus ansteigen. Dies wurde auch vom Aktienmarkt, der selbst oft als ein Vorlaufindikator für die reale konjunkturelle Entwicklung gesehen wird, nachgebildet.
 
"Der Aufschwung bei den Konjunktur-Vorlaufindikatoren hält zwar bis dato unverändert an und wird einige dieser Indikatoren bis in den Herbst hinein noch auf 'Expansionsniveaus' vorstoßen lassen. Dort dürfte aber das vorläufige Ende der Fahnenstange liegen – was die Börsen insbesondere im vierten Quartal korrekturanfällig machen könnte – wenn nämlich bis dahin bereits weiter gehende
(Konjunktur-)Hoffnungen eingepreist sind", so Rechberger.
 
Gewinnerwartungen gingen zuletzt nur mehr leicht zurück
 
Die Gewinnerwartungen für die Unternehmen im S&P 500 im laufenden Jahr sind auch im zweiten Quartal weiter zurückgegangen – aber nicht mehr im zuvor gesehenen Ausmaß. Nach gut 20 Prozent Gewinnrückgang 2008 werden 2009 aus aktueller Konsensus-Sicht noch einmal rund 11 Prozent verbucht werden müssen. Die Gewinndynamik drehte sich jedoch von extrem negativ auf zuletzt sogar leicht positiv. Dennoch müssen die entsprechenden Werte für 2010 aktuell noch mit großer Vorsicht genossen werden.
 
Die Bewertung des breiten US-Aktienmarktes für 2009 präsentiert sich mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von rund 15 nicht sehr günstig. Andererseits gilt es als üblich, dass die Börsen einen wirtschaftlichen Aufschwung lange Zeit vorweg nehmen. Somit hätte ein Indexanstieg von mehr als 30 Prozent seit Anfang März das Bewertungsniveau schlimmstenfalls auch in viel höhere Regionen anheben können. Die relative Bewertung gegenüber dem deutlich teureren Anleihenmarkt bleibt überdies unverändert bestehen.
 
Asset Allocation: Aktienmärkte vorerst neutral gewichten
 
Das zweite Quartal war geprägt von einem deutlichen Anstieg des Risikoappetits. Der RZB Risikoindex zeigt aufgrund der gesunkenen Volatilität und dem Rückgang von Risikoaufschlägen weiterhin einen Kauf risikoreicherer Wertpapiere an. Allerdings legen andere technische Indikatoren nahe, dass derzeit eine übergekaufte Situation bei Aktien vorliegt und eine Korrektur unmittelbar bevorstehen könnte. "Daher gewichten wir trotz unserer positiven Einschätzung für Aktien auf Quartalssicht das Aktiensegment gegenüber dem Anleihensegment derzeit nur neutral", so Rechberger.
 
Innerhalb des Unternehmenssektors sehen die Analysten der RZB zunächst mehr Potenzial bei Unternehmensanleihen als bei Aktien. Die Liquiditätsaufschläge bei Unternehmensanleihen werden weiter abgebaut werden und zu einer fortgesetzten positiven Entwicklung führen. Rechberger: "Wir gewichten die Assetklasse der Unternehmensanleihen gegenüber Staatsanleihen, bei denen wir eine unterdurchschnittliche Kursentwicklung erwarten, über."
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Andreas Ecker-Nakamura
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