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Finanzmärkte im Umbruch

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Die Aktienmärkte in Zentral- und Osteuropa (CEE) konnten sich den Marktturbulenzen rund um die internationalen Rezessionsängste und der systemischen Krise im US-Finanzsektor nicht entziehen. Sie wiesen daher allesamt seit Jahresanfang 2008 eine negative Wertentwicklung auf. "Der Grund hierfür ist weniger in der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung zu finden. Vielmehr kam es aufgrund der derzeitig sehr hohen Risikoaversion zu starken Kapitalabflüssen vieler internationaler Investoren", erklärte Peter Brezinschek, Chefanalyst der Raiffeisen Zentralbank Österreich AG (RZB).
 
"Trotz großteils zufriedenstellender Unternehmensergebnisse im ersten Halbjahr 2008 fällt der ATX auf so tiefe Niveaus, die bereits eine Rezession einpreisen" stellt Birgit Kuras, Chefanalystin der Raiffeisen Centrobank AG, fest. "Im Rahmen des Branchenszenarios bleiben wir vorerst defensiv aufgestellt und empfehlen zumindest für die nächsten zwei Monate weiterhin Sektoren, wie Versorger und defensiver Konsum", meint Stefan Maxian, Head of Company Research der Raiffeisen Centrobank AG, "grundsätzlich bevorzugen wir jene dividendenstarke Titel, die weniger von Konjunkturzyklen abhängig sind."
 
CEE-Wachstum sinkt unter langfristigen Durchschnitt
 
Seit dem Jahr 2000 schreiben die Staaten der Regionen Mittel-, Südost- und Osteuropas signifikante Wachstumszahlen, mehr oder weniger deutlich über dem sogenannten Potenzialwachstum, das langfristig mögliche Wachstum einer Volkswirtschaft pro Jahr bei normaler Auslastung der Produktionskapazitäten. So betrug 2007 das Wachstum in der Zentraleuropa (CE) und Südosteuropa-Region (SEE) über 6 Prozent, in Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (CIS) sogar über 8 Prozent. Obwohl die erste Jahreshälfte 2008 noch starke BIP-Zuwächse lieferte, zeigen auch in CEE die meisten Vorlaufindikatoren auf Konjunkturabschwächung.
 
Wachstumsraten für 2009 lassen 4-5 Prozent für die gesamte Ostregion inklusive Russland und Ukraine erwarten – was angesichts der globalen Entwicklung immer noch starkes Wachstum darstellt. Die restriktive Geldpolitik quer über die Region dürfte die bislang von hohem Kreditwachstum getragene Inlandsnachfrage einbremsen. Auch die enormen Lohnsteigerungen werden sich abschwächen. Länder mit einer hohen Exportquote werden stark in Mitleidenschaft gezogen. Der zyklische Tiefpunkt sollte zur Jahresmitte 2009 erreicht sein, dafür wird in den nächsten zwölf Monaten das Gespenst der Inflation in den Hintergrund treten. Damit wird auch der Weg zu Zinssenkungen quer über die gesamte CEE-Region geebnet. Die Währungen dürften nach den starken Aufwertungen zum Euro leicht konsolidieren.
 
Auch die CEE Börsen spüren die Finanzkrise
Nach dem Allzeithoch im Mai waren politische Querelen der Auslöser der Talfahrt des russischen Aktienmarktes im Verlauf des heurigen Sommers. Das Überschwappen der Liquiditätskrise auf Russland beschleunigte den Abwärtstrend.
Die jüngst verlautbarten Notmaßnahmen von Regierung und Notenbank sollten dem Aktienmarkt Unterstützung liefern. Bei abnehmenden politischen Spannungen wird die massive Unterbewertung russische Aktien bei einem Kurs/Gewinn-Verhältnis für 2009 von unter fünf wieder in den Vordergrund rücken. Die RZB empfiehlt daher trotz schwieriger Timingaspekte den russischen Markt bis Jahresende und auf zwölf Monatssicht zum Kauf. Bei allen andern Ostbörsen wird bis Ende 2008 eine Verkaufs- oder Halten-Empfehlung ausgesprochen.
 
Beispielsweise litt das polnische Börsenbarometer WIG 20 zuerst unter dem hohen Anteil des Finanzsektors und nunmehr machen sich fallende Rohstoffpreise bemerkbar. Mit der Konjunkturabschwächung wird der Gewinntrend 2009 unterdurchschnittlich bleiben, wodurch ein negativer Kursverlauf überwiegen dürfte.
 
Stellvertretend für die anderen höher bewerteten Aktienmärkte Südosteuropas ist die Sorge hinsichtlich abnehmender Gewinnwachstumsraten in Rumänien groß. Daher wurde die Bukarester Börse von der globalen Schlechtwetterfront an den Finanzmärkten mit einem Minus von 50 Prozent seit Jahresanfang voll erfasst. Das Antesten weiterer Tiefstände im vierten Quartal ist daher realistisch.
 
Österreichs Wachstum beeinträchtigt
 
"Österreichs Wirtschaft bleibt vom globalen Wirtschaftsabschwung nicht verschont. Das Wachstum im zweiten Quartal von nur noch 0,4 Prozent im Vergleich zum Vorquartal bestätigt dies", stellt Brezinschek fest. Die rückläufigen Auftragseingänge und Umfrageergebnisse bremsen das reale BIP-Wachstum von 2,1 Prozent (2008) auf 1,4 Prozent im nächsten Jahr.
 
Die österreichische Wirtschaft entwickelt sich in diesem höchst schwierigen Umfeld immer noch besser als die der Eurozone (2009e: plus 0,7 Prozent). Insbesondere die Exporte und Investitionen dürften deutlich geringer als in den Jahren zuvor ausfallen. "Dafür wird das Thema Inflation von der Bildfläche verschwinden", meint Brezinschek, "denn ab Oktober wird der Preisanstieg markant nachlassen und im Frühjahr 2009 mit 2 Prozent sein Tief markieren."
 
Gewinnsituation der ATX-Unternehmen trotz Negativtrend attraktiv
 
Der ATX konnte dem internationalen negativen Trend trotz durchaus guter Fundamentaldaten nicht weichen. Obwohl Unternehmen wie RHI, Andritz oder voestalpine sehr gute Ergebnisse vorlegten und keine Revision der Erwartungen vornahmen, büßte der ATX mit minus 21,1 Prozent mehr ein. Beim DAX oder DJ Eurostoxx 50 sind es seit Sommerbeginn jeweils minus 8 Prozent. Von den Schwergewichten enttäuschte nur die Telekom Austria wegen der anhaltenden schwachen Entwicklung der Festnetzsparte.
 
„Insgesamt ist die Gewinnsituation der österreichischen ATX Unternehmen nach wie vor zufriedenstellend. Mit einem erwarteten Gewinnwachstum in 2008 von rund 14,6 Prozent werden die anderen europäischen Indizes wie der DAX mit einer erwarteten Entwicklung von minus 12,1 Prozent deutlich überflügelt“, betont Kuras, die auch für 2009 ein Gewinnwachstum von rund 12,7 Prozent erwartet. „Trotz dieser durchaus guten Entwicklung wird der ATX weiterhin von den negativen Turbulenzen auf den internationalen Finanzmärkten beeinflusst werden“, ist Kuras überzeugt, die den ATX Ende des Jahres in einer Bandbreite von 2700 bis 3200 Punkten erwartet.
 
Neuerliche Tiefstände nicht auszuschließen
 
Unternehmen, wie Wienerberger oder Zumtobel, konnten dem internationalen Konjunkturabschwung nicht entkommen und mussten Gewinnerwartungen reduzieren. Durch den Sog der negativen Entwicklung befinden sich die Bewertungsrelationen mit einem Kurs/Gewinn-Verhältnis für 2008 von rund 8,8 und für 2009 von 7,8 auf einem äußerst günstigen Niveau.
 
„Da sich aber für die kommenden Monate der Nachrichtenfluss aufgrund der Konjunktur- und Kreditkrise nicht sehr positiv gestalten wird, sind neuerliche Tiefstände nicht auszuschließen“, so Kuras. Im Verlauf des ersten Halbjahres 2009 sollte sich der Wiener Aktienmarkt beruhigen und sodann einen Aufwärtstrend einleiten.
 
 
Empfehlungen:
 
Verbund: Die Ölpreisrückgänge der letzten Wochen sind auch an der Verbund-Aktie nicht spurlos vorüber gegangen, da der Konzern aufgrund seiner CO2-neutralen Wasserkraftproduktion der größte Profiteur der von der Rohstoffrallye getriebenen Strompreise ist. Maxian, geht jedoch in seinen Schätzungen von Ölpreisen aus, die ungefähr am derzeitigen Niveau von ca. USD 100 je Fass Brent liegen und sieht bei den Strompreisen zusätzliche Unterstützung durch die Kohlepreisentwicklung. Die Aktie wurde daher zuletzt auf „Kauf“ hochgestuft.
 
Österreichische Post: Die Aktie der österreichischen Post überzeugt durch den erwarteten hohen Cash Return für die Aktionäre sowie der robusten operativen Entwicklung. Maxian rechnet mit einer Dividendenrendite von aktuell über 10 Prozent, da auch im nächsten Jahr eine Bonusdividende erwartet wird.
Die defensive Charakteristik im Vergleich zum Mitbewerb wird durch die deutlich geringere zyklische Ausrichtung der Paket & Logistik Sparte unterstrichen. Der neue Konkurrent Hermes konnte im ersten Halbjahr 2008 weniger Marktanteile erzielen, als ursprünglich erwartet.
 
Rosenbauer: Feuerwehrfahrzeuge und –ausstattung sind weniger konjunkturabhängig als andere Sparten der Industrie. Daher sieht Maxian unter den zyklischen Industriewerten vor allem Rosenbauer als interessante Empfehlung an. Der hohe Auftragsbestand und der weniger zyklische Endmarkt lassen eine optimistische Geschäftsentwicklung für die nächsten Quartale erwarten.
 
Osteuropa im Bann der Turbulenzen

Auch an Osteuropa sind die Turbulenzen der letzten Monate nicht spurlos vorbeigezogen, daher setzt Maxian hier kurzfristig ebenfalls auf defensive Titel. In Russland allerdings kann der Kursverfall teilweise bereits als Einstiegschance gewertet werden.
 
Hrvatski Telekom (Kroatien): T-Hrvatski Telekom bleibt aufgrund seiner starken Bilanz (Netto-Cash-Position), der erwarteten Dividendenrendite von 10 Prozent und der attraktiven Bewertung, mit einem KGV in 2008 von 10, die Top-Empfehlung im Bereich der Telekommunikation. Der kroatische Markt bietet bei Haushalten, mit einer Marktdurchdringung im Bereich Kabel-TV von nur 9 Prozent und bei Breitband-Kabel-TV von 1 Prozent ein großes Aufholpotential. Im Vergleich dazu liegt die Marktdurchdringung bei Kabel-TV in Ungarn schon bei 63 Prozent.
 
X5 (Russland): Obwohl die operative Performance des größten russischen Einzelhändlers X5 so gut wie nie zuvor war, korrigierte die Aktie gegenüber ihrem Hoch im Mai von USD 38,9 um über 40 Prozent. Auch die defensive Branchenausrichtung und ein starker operativer Cash Flow sprechen für die Kaufempfehlung.
 
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Andreas Ecker-Nakamura
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A A ASchriftgröße Home 09. Februar 2012 00:55 © RZB