Mehr als 125 Jahre Raiffeisen in Österreich

Auf festem Fundament in die Zukunft

Spätestens mit dem Ausbruch der Wirtschaftsund Finanzkrise ist eines wieder deutlich geworden: Genossenschaftliche Unternehmen und deren Zusammenschlüsse haben sich in Krisenzeiten als besonders anpassungsfähig, leistungsstark und dadurch wirtschaftlich stabil erwiesen. Die Idee der Genossenschaften im Sinne des Sozialreformers Friedrich Wilhelm Raiffeisen ist heute so modernwie bei der Gründung der ersten österreichischen Raiffeisenkasse im Jahr 1886, also vor mehr als 125 Jahren.

Was die Raiffeisengenossenschaften in den mehr als 125 Jahren seit ihrer Gründung aufgebaut und entwickelt haben, ist eindrucksvoll. Seit Jahrzehnten ist Raiffeisen Rückgrat und Motor der österreichischen Wirtschaft. Dabei haben sich die Raiffeisen Bankengruppe und andere genossenschaftliche Raiffeisen-Unternehmen nicht nur parallel zum allgemeinen Fortschritt entwickelt und sich den Erfordernissen der Zeit angepasst, sondern waren in vielen Fällen treibende Kraft beim Beschreiten neuer Wege und Vorreiter bei Neuentwicklungen.

 

Bild. F. W. Raiffeisen
Sozialreformer Friedrich Wilhelm Raiffeisen (1818 – 1888)

Gemeinsamkeit macht stark

Die Genossenschaft ist viel mehr als nur ein Geschäftsmodell oder eine Rechtsform. Friedrich Wilhelm Raiffeisen, der am 30. März 1818 in Hamm/Sieg im deutschen Westerwald geboren wurde und 1888 starb, brachte die Idee der Genossenschaft auf einen einfachen Nenner: Gemeinsamkeit macht stark. Was ein Einzelner nicht erreichen kann, wird durch die Zusammenarbeit vieler Gleichgesinnter erst möglich.

Das Konzept widerspricht somit allen, die die Ansicht vertreten, dass im Zeitalter der Globalisierung der Wirtschaft vor allem die Größe von Unternehmen oder Unternehmensgruppen Grundlage für den dauerhaften Erfolg auf den Märkten ist. Die Gegenthese lautet: Erfolg hat, wer sich den spezifischen Besonderheiten unzähliger lokaler Märkte anpasst und die Kräfte bündelt, um auch im Konzert der Großen mitspielen und bestehen zu können.


Lokale Verwurzelung als Fundament

Raiffeisen verkörpert zugleich lokale Verbundenheit und internationale Stärke. Die selbständigen Raiffeisenbanken kennen aufgrund ihrer Verwurzelung in der lokalen Wirtschaft und Gesellschaft die Bedürfnisse der Menschen in den von ihnen betreuten Regionen naturgemäß besonders genau. Die für den Markterfolg ebenso wichtige Größe wird durch den Verbund der Raiffeisengenossenschaften erreicht.Das Modell der kleinen selbständigen Wirtschaftseinheiten in einem geordneten freiwilligen Verbund hat aus mehreren Gründen auch große Vorteile gegenüber zentral gesteuerten Riesen.

Die in der Raiffeisen Bankengruppe Österreich organisch gewachsene Struktur besteht aus mehr als 500 selbständigen und selbstverantwortlichen Raiffeisenbanken, die das Fundament der gesamten Gruppe bilden. Diese Raiffeisenbanken sind die Eigentümer der Raiffeisenlandesbanken, die ihrerseits als Aktionäre der Raiffeisen Zentralbank Österreich AG (RZB) die Weiterentwicklung der Raiffeisen Bankengruppe steuern.
 

Die Raiffeisen-Prinzipien

Die Wurzeln der Raiffeisen-Erfolge der vergangenen Jahrzehnte liegen sicher in den Grundsätzen, nach denen bei Raiffeisen Österreich gearbeitet wird. Selbstverwaltung und Eigenverantwortung, solidarische Wirtschaftsgesinnung, Nachhaltigkeit und Subsidiarität. Entscheidende Triebfeder der Arbeit ist immer die Hilfe zur Selbsthilfe für die Genossenschaftsmitglieder. Nach den Wirtschaftsskandalen der letzten Jahre ist Demokratie in der Wirtschaft heute wieder sehr modern. Bei Raiffeisen wurde das schon immer praktiziert, auch in Zeiten, in denen dieses Thema von manchen belächelt wurde.

Die Selbständigkeit vieler kleiner regionaler oder lokaler Einheiten ist ein wesentliches Erfolgsgeheimnis von Raiffeisen in Österreich. „Raiffeisen. Meine Bank“ ist nicht nur ein einprägsamer Werbeslogan, sondern auch die tägliche Praxis. Die Mitglieder der Genossenschaften sind die Eigentümer der Raiffeisenbanken, die sich dadurch ihrer Bank tatsächlich verbunden fühlen. Das Gefühl, in wesentlichen Dingen mitreden und mitentscheiden zu können und die Überschaubarkeitdes eigenen Unternehmens werden angesichts von undurchschaubaren internationalen Wirtschaftsskandalen von immer mehr Menschen geschätzt.

Einen wesentlichen Beitrag zum regionalen Zusammengehörigkeitsgefühl leisten die von den Generalversammlungen gewählten ehrenamtlichen Funktionäre. Die demokratisch zumeist mit Kopfstimmrecht gewählten Eigentümervertreter wissen naturgemäß genau, welche Probleme Mitglieder und Kunden aus ihrer Region bewegen und welche Lösungen durch das Management der Bank zu suchen sind. Die Bedürfnisse der Bevölkerung können selbst in einem kleinen Land wie Österreich regional höchst unterschiedlich sein. Die Nähe der Entscheidungsträger zu ihren Mitgliedern und Kunden ermöglicht rasche maßgeschneiderte Lösungen. Hier liegt eine der wesentlichen Stärken im Vergleich zu zentral gesteuerten Bankriesen, deren Entscheidungen häufig in Zentralen außerhalb Österreichs fallen und in denen man auf regionale österreichische Probleme keine Rücksicht nehmen kann, weil man weder die zu lösenden Probleme noch die Mentalität der mit der Region verbundenen Menschen kennt.
 

Bild. Das Gieblkreuz im Wandel der Zeit

Das Giebelkreuz im Wandel der Zeit
 

Mit den Menschen und der Wirtschaft verbunden

Zur engen Verbundenheit der Mitglieder mit ihrer Raiffeisenbank trägt auch die Verflechtung der Genossenschaft mit lokalen Institutionen bei. Raiffeisen ist ein wesentlicher Teil der Gesellschaft weit über die Wirtschaft hinaus. Sportvereine, Schulen, Freiwilligenorganisationen wie Feuerwehr, Bergrettung oder Rotes Kreuz, aber auch kulturelle Initiativen oder soziale Einrichtungen werden häufig von den regionalen Raiffeisenbanken mitgetragen. Dazu kommt, dass sowohl die ehrenamtlichen wie auch die hauptberuflichen Entscheidungsträger in den Raiffeisenbanken fast immer eng mit den lokalen Vereinen und Initiativen verknüpft sind und dabei auch oft eine führende Rolle spielen.

Die seit mehr als 125 Jahren anhaltende solide und steile Aufwärtsentwicklung der Raiffeisen Bankengruppe ist deshalb kein Zufall, sondern Ergebnis der menschengerechten Organisation der Raiffeisen-Gruppe. Genossenschaftenmachen deutlich, dass Wirtschaftlichkeit und soziale Verantwortung vereinbare Ziele sind. Die in Österreich und vielen Ländern Europas nun schon seit Jahrzehnten propagierte soziale Marktwirtschaft wird von den Genossenschaften schon seit weit mehr als 100 Jahren in der Praxis gelebt. Die demokratisch organisierten Raiffeisenbanken werden auch in Zukunft das solide Fundament der Raiffeisenorganisation bilden und ein leistungsfähiger Motor der Weiterentwicklung in den nächsten Jahren und Jahrzehnten sein.

Kaum jemand zweifelt heute nach den Erkenntnissen aus der Finanz- und Wirtschaftskrise daran, dass genossenschaftliche Zusammenschlüsse ein Zukunftsmodell sind. Der Wunsch eines großen Teils der Bevölkerung nach genossenschaftlich-demokratisch organisierten und orientierten Unternehmen wird angesichts der mit der Globalisierung verbundenen Probleme weiter zunehmen. Die Raiffeisen Bankengruppe bildet in dieser bewegten Zeit rascher Umbrüche einen sicheren Hafen, dem die Menschen vertrauen. Der Wunsch nach Sicherheit und einem Partner, dem man vertrauen kann, ist heute ausgeprägter denn je zuvor.
 

Eine Idee entsteht

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts herrschte schrankenloser Wirtschaftsliberalismus. Die im Jahr 1848 frei gewordenen Bauern verfügten über wenig Geld und waren in wirtschaftlichen Dingen völlig unerfahren. Auch für viele Handwerker, Gewerbetreibende und Arbeiter schien die Lage ausweglos, während eine kleine Gruppe an Unternehmern rasch zu großem Reichtum kam.

Den Umstand, dass Landwirten und Handwerkern das nötige Geld für Investitionen fehlte, machten sich skrupellose Wucherer zunutze, die Geld zu extrem hohen Zinsen verliehen. Viele verschuldeten sich hoch, verloren in der Folge ihren Besitz und damit die Lebensgrundlage. Die Folge war die völlige Verarmung breiter Bevölkerungskreise vor allem in ländlichen Regionen.

Die Folgen der rasch wachsenden Verschuldung der Bauern waren dramatisch. Allein in Österreich wurden jedes Jahr zwischen 5.000 und 10.000 Bauernhöfe zwangsversteigert. Es war für die Bauern damals fast unmöglich, günstige Kredite zum Kauf von Saatgut und anderen Betriebsmitteln zu bekommen. In Deutschland war die Lage ähnlich dramatisch. Erst die Gründung der ersten Genossenschaften nach dem System Raiffeisen löste diese Kreditklemme.

Als Bürgermeister mehrerer Gemeinden im Westerwald wurde Friedrich Wilhelm Raiffeisen hautnah mit der Not der Menschen konfrontiert und suchte nach dauerhaften Lösungen. Wegen einer Hungersnot im Winter 1846/47 gründete Raiffeisen in Weyerbusch den „Verein für Selbstbeschaffung von Brod und Früchten“. Mit Hilfe privater Spenden kaufte er Mehl. In einem selbst errichteten Backhaus wurde Brot gebacken, das auf Vorschuss an die Bedürftigen verteilt wurde. In der Folge wurden einige weitere Vereine auf karitativer Basis gegründet.
 

Hilfe zur Selbsthilfe

Bild: Mühlendorf

Schon bald erkannte Friedrich Wilhelm Raiffeisen, dass auf Dauer eine erfolgreiche Arbeit nur durch Selbsthilfe in der Gemeinschaft wirksam sein konnte. Deshalb machte der Sozialreformer 1864 aus dem Wohltätigkeitsverein den „Heddesdorfer Darlehnskassenverein“. Damit entstand die erste Raiffeisen-Genossenschaft.

Seine Erfahrungen beschrieb Raiffeisen 1866 in dem Buch „Die Darlehnskassen-Vereine als Mittel zur Abhilfe der Noth der ländlichen Bevölkerung sowie auch der städtischen Handwerker und Arbeiter“. Das Buch fand weltweite Verbreitung, und seine Ideen fielen auf fruchtbaren Boden.

 

 

 


In diesem Haus wurde 1886 die erste österreichische Raiffeisenkasse gegründet.

Nach einem von Raiffeisen entwickelten Modell bildeten die Landwirte, Handwerker und Arbeiter unzählige selbständige Genossenschaften, die nicht auf Gewinn, sondern auf die Förderung ihrer Mitglieder ausgerichtet waren. Die in den so genannten Darlehenskassenvereinen gesammelten Spareinlagen wurden als günstige langfristige Darlehen ausschließlich an die Mitglieder der Genossenschaft vergeben. Für viele eröffnete sich damit erstmals die Möglichkeit, Darlehen für Investitionen oder die Überbrückung von Dürrejahren aufzunehmen. Davon profitierten Landwirte, Handwerker und Arbeiter, die als Mitglieder zu den Genossenschaften strömten.

Ein weiterer bedeutender Schritt zur Stabilisierung der Wirtschaft war der gemeinsame Einkauf von Betriebsmitteln wie Saatgut, das von den ländlichen Agrargenossenschaften wegen der höheren eingekauften Mengen zu wesentlich günstigeren Konditionen erworben werden konnte. Diese Preisvorteile wurden an die Mitglieder weitergegeben.

Als wirtschaftlich bedeutsam erwiesen sich auch die gemeinsame Lagerung und der gemeinsame Verkauf von Agrarerzeugnissen. Dadurch waren die Landwirte nicht mehr gezwungen, in Zeiten mit starkem Überangebot zu Schleuderpreisen zu verkaufen. Die Genossenschaft konnte warten, bis sich die Märkte beruhigt hatten und die Preise günstiger für die bäuerlichen Mitglieder der Genossenschaftenwaren.
 

Anfänge der Raiffeisen-Idee in Österreich

In Österreich wurde die erste Raiffeisenkasse im Dezember 1886 in Mühldorf bei Spitz an der Donau (NÖ) gegründet. Dieser ersten Raiffeisengenossenschaft des Landes gehörten Landwirte, Handwerker, Arbeiter und Gewerbetreibende an. Davor war auf politischer Ebene in zahlreichen Kongressen intensiv nach Möglichkeiten zur Lösung der katastrophalen Agrarkrise gesucht worden. Die Mehrheit der Abgeordneten der Landtage war von der durch Friedrich Wilhelm Raiffeisen entwickelten und propagierten Genossenschaftsidee überzeugt. Deshalb kam es nach Gründung der ersten Raiffeisenkasse sehr rasch zur Bildung zahlreicher anderer Raiffeisengenossenschaften im ganzen Land.

Bereits nach zehn Jahren gab es in Österreich über 600 Raiffeisenkassen und im Jahr 1900 arbeiteten in der österreichischen Reichshälfte bereits rund 2.900 Raiffeisenkassen für ihre Mitglieder. Der rasch wachsende Geschäftsumfang bei den lokalen Raiffeisenkassen erforderte bald die Gründung von regionalen Liquiditätsausgleichsstellen in den einzelnen Ländern. Diese Ausgleichsstellen waren die Vorläufer der heutigen Raiffeisenlandesbanken.
 

Die Zwischenkriegszeit

Unter den Folgen des Ersten Weltkrieges von 1914 bis 1918 hatte auch die mittlerweile zu beachtlicher Größe angewachsene Raiffeisenorganisation zu leiden. Nach dem Kriegsende im Jahr 1918 dauerte es einige Zeit, bis sich die in der Republik Österreich verbliebenen Genossenschaften neu organisiert hatten.
 

Bild: Aktien der Girozentrale 1927Im Jahr 1927 wurde die Vorläuferin der heutigen Raiffeisen Zentralbank Österreich AG als „Girozentrale der österreichischen Genossenschaften“ gegründet. Sie hatte die Funktion eines Spitzeninstituts mit der Aufgabe, einen für ganz Österreich wirksamen Verbund der Landeszentralen der Raiffeisen-Geldorganisation zu verwirklichen.

 





Als Girozentrale der österreichischen Genossenschaften wird die Raiffeisen Zentralbank 1927 gegründet.

Bis 1938 war die finanzielle Eigenständigkeit erreicht und der Aufbau der Bundesländerzentralen weitgehend abgeschlossen. Damit waren im Wesentlichen jene Strukturen geschaffen, auf denen nach dem Zweiten Weltkrieg aufgebaut werden konnte. Mit dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich endete 1939 die genossenschaftliche Selbstbestimmung.
 

Neubeginn in der Zweiten Republik

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde unverzüglich der Wiederaufbau der Raiffeisenorganisation in Angriff genommen. Den Genossenschaften wurde von der Politik wesentliche Verantwortung für die Sicherung der Ernährung übertragen. Das war vorerst eine unlösbar erscheinende Aufgabe, denn die Landwirtschaft verfügte über keine ausreichenden Kapazitäten und viele Österreicher litten an Nahrungsmangel.

Nach 1945 wurde die damalige Genossenschaftliche Zentralbank AG, wie die Girozentrale seit 1927 hieß, vorerst in öffentliche Verwaltung übernommen. Erst 1955 ging die Bank wieder in das Eigentum der Vorkriegsaktionäre über. Bereits in den 1950er Jahren begann die Bank, ihr Auslandsgeschäft auf- und auszubauen.

Ein wesentliches Erfolgskriterium für die gute Entwicklung der Raiffeisen Bankengruppe war die Bildung von Spezialinstituten wie Raiffeisen Bausparkasse und Raiffeisen Versicherung. Diese Institute ermöglichten es den lokalen Raiffeisenbanken, ihren Kunden alle gewünschten und benötigten Finanzprodukte anzubieten. In ganz Österreich bis in entlegene Regionen nahm Raiffeisen die Aufgabe als finanzieller Nahversorger wahr.

Im Jahr 1961 nahm die Raiffeisen Bausparkasse als eines der ersten Spezialinstitute der Raiffeisen Bankengruppe den Betrieb auf. Im selben Jahr wurde in Wien-Oberlaa – damals eine Schnittstelle zwischen der Bundeshauptstadt und dem ländlichen Raum – die erste Raiffeisenbank in Wien gegründet. Eröffnet wurde diese kleine Raiffeisenbank am Vorabend des Weltspartags.

Als weiteres Spezialinstitut wurde 1969 die Raiffeisen-Versicherung AG ins Leben gerufen. Dieses Unternehmen eröffnete den Raiffeisenbanken die Möglichkeit, ihren Kunden die gesamte Palette der Personenversicherungen anzubieten. Das waren vor allem Lebens- und Unfallversicherungen. Mit der 1970 erfolgten Gründung der Raiffeisen Leasing GmbH folgte ein weiterer Schritt beim kontinuierlichen Ausbau der Dienstleistungspalette. Dem wachsenden Interesse an höherwertigen Geldanlagen wurde mit der Gründung der Raiffeisen Kapitalanlage Gesellschaft – heute bekannt als Raiffeisen Capital Management – Rechnung getragen.

 

Bild: Raiffeisen Sportsponsoring Gerhard Berger Eine weitere Säule für die außergewöhnlichen Erfolge der Raiffeisen Bankengruppe war der Aufbau des Giebelkreuzes zur mit Abstand stärksten Bankenmarke Österreichs. In den Bemühungen um ein modernes Image ging Raiffeisen als Pionier völlig neue Wege in der Bankenwerbung. Mit dem in den frühen 1970er- Jahren noch wenig praktizierten Sportsponsoring wurde der Bekanntheitsgrad von Raiffeisen in nie erwartete Höhen katapultiert. Den Auftakt im Sportsponsoring machte der Fußballverein Rapid Wien. In der Folge feierten praktisch alle führenden Sportler ihre großen Erfolge unter dem Zeichen des Giebelkreuzes: Niki Lauda, Gerhard Berger, Thomas Muster, Hermann Maier und zuletzt Marcel Hirscher sind einige herausragende Beispiele. Raiffeisen ist darüber hinaus aber auch auf regionaler und lokaler Ebene ein für viele Vereine unentbehrlicher Sportsponsor.

 

 

 

Raiffeisen wirbt mit österreichischen Sportlern
 

Bankgeschäft wird elektronisch

Die Raiffeisen Bankengruppe zeichnet sich seit jeher dadurch aus, dass sie besonders zeitnah mit innovativen Strategien auf Entwicklungen der Märkte und der Gesellschaft reagiert. So erhielt das Raiffeisenhaus Wien im Jahr 1980 einen der ersten in Wien installierten Bankomaten. Auch beim Siegeszug des Internets in Österreich war Raiffeisen von Anfang an nicht nur dabei, sondern wesentlicher Vorreiter. Im Rahmen ihres Multi-Channel-Ansatzes hat die Raiffeisen Bankengruppe in den letzten Jahren das Internet erfolgreich als zusätzlichen Vertriebskanal ausgebaut. Wie richtig die damalige Entscheidung war, beweisen aktuelle Zahlen und Daten: fast 1,2 Millionen Raiffeisen-Kunden erledigen heute ihre Zahlungen über die Raiffeisen Online-Plattform im Internet. Mehr als 21 Milliarden Euro werden dabei umgesetzt.
 

Raiffeisen wird international

Beim Auf- und Ausbau des Auslandsgeschäftes wurden schon in den 1970er Jahren erste Schritte gesetzt. In den 1980er Jahren fiel die Entscheidung, österreichische Exporteure in zentral- und osteuropäische Länder mit Finanzdienstleistungen zu begleiten. Noch vor dem Fall des „Eisernen Vorhangs“ wurde in Ungarn 1987 die erste Tochterbank gegründet. Ab den 1990er Jahren baute die RZB, wie die GZB seit 1989 hieß, ihre Präsenz in den Ländern Zentral- und Osteuropas weiter aus.

Heute ist die Raiffeisen Bankengruppe über die RZB an der Raiffeisen Bank International (RBI) beteiligt, die zu einer führenden Bankengruppe in Zentral- und Osteuropa aufgestiegen ist. Zahlreiche Auszeichnungen als beste Bank des jeweiligen Landes und auch der ganzen Region belegen die Stärke der RBI in ihrem Heimmarkt.

Wie eindrucksvoll die Ergebnisse der internationalen Arbeit beurteilt wurden, zeigte der 2005 erfolgte Börsegang der damaligen Raiffeisen International Bank-Holding AG, der Vorgängergesellschaft der heutigen RBI. Nicht nur institutionelle Anleger aus aller Welt bemühten sich um die vielversprechende Aktie, auch bei österreichischen Kleinanlegern war das Interesse enorm; das Emissionsvolumen hätte alleine in dieser Gruppe platziert werden können.
 

RZB: CEE Expansion im Zeitablauf

Entwicklung des Netzwerkes in Zentral- und Osteuropa
 

RZB mit neuer Struktur

Um für die Herausforderungen der Zukunft noch besser gerüstet zu sein, hat die Raiffeisen Zentralbank zu Beginn des Jahres 2010 entschieden, Teile des Bankbetriebs abzuspalten und in die Raiffeisen International einzubringen. Vor allem das Firmenkundengeschäft,die Produktbereiche und das Investment Banking wurden aus der Raiffeisen Zentralbank abgespalten und mit der Raiffeisen International verschmolzen. Ergebnis dieser Strukturreform war die Schaffung der Raiffeisen Bank International. Die Raiffeisen Zentralbank hält an diesem Institut rund 78,5 Prozent.

Die Raiffeisen Zentralbank ist weiterhin Spitzeninstitut der Raiffeisen Bankengruppe, Konzernspitze und Serviceeinheit für die Raiffeisen Bankengruppe Österreich. Über die börsegelistete Tochter Raiffeisen Bank International besitzt sie eines der größten Bankennetzwerke in Zentral- und Osteuropa. 17 Märkte der Region werden durch Tochterbanken, Leasingfirmen und eine Reihe anderer Finanzdienstleistungsunternehmen abgedeckt. Insgesamt betreuen knapp 61.500 Mitarbeiter mehr als 14.2 Millionen Kunden in über 3.162 Geschäftsstellen, der überwiegende Teil davon in Zentral- und Osteuropa (Stand Mitte 2012).
 

Weltweite Bedeutung der Genossenschaften

Auch die Raiffeisenlandesbanken, die Raiffeisen Zentralbank und die Raiffeisen Bank International sehen sich als Teil einer Genossenschaftsorganisation, was sich auch in den wesentlichen Strategien und Entscheidungen niederschlägt. Die Grundprinzipien von Friedrich Wilhelm Raiffeisen gelten auf allen Ebenen der Gruppe, Nachhaltigkeit hat Vorrang vor bedingungsloser Gewinnmaximierung.

Die Bedeutung der Genossenschaften für die Zukunft der Menschheit wird auch durch die Tatsache verdeutlicht, dass die UNO 2012 zum „Internationalen Jahr der Genossenschaften“ erklärt hat. Welche Bedeutung Raiffeisengenossenschaften heute weltweit haben, lässt sich mit eindrucksvollen Zahlen untermauern: In über 100 Ländern dieser Erde arbeiten mehr als 900.000 Genossenschaften mit über 500 Millionen Mitgliedern nach den Prinzipien von Friedrich Wilhelm Raiffeisen. Diese Genossenschaften bilden in vielen Ländern eine wesentliche Basis für den Aufbau der Wirtschaft und eröffnen den Menschen die Chance zur Schaffung einer Existenzgrundlage für die ganze Familie und ganze Regionen.