05.12.2016 - Referendum in Italien

Anlassbezogen

 

Wie von den Umfragen vorhergesagt, hat das italienische Wahlvolk die von Premier Renzi zum Referendum vorgelegte Verfassungsreform mit überraschend großer Mehrheit (über 60%) abgelehnt. Renzi hat daraufhin seinen Rücktritt angekündigt. An den Finanzmärkten war dieses Ergebnis weitgehend antizipiert worden. Dennoch erwarten wir einige volatile Handelstage, auch aufgrund des möglichen Auflösens der zuletzt stark gestiegenen Derivatpositionen am Devisen- und Anleihemarkt. Das oft gemühte Szenario sofortiger Neuwahlen mit einem Wahlerfolg der populistischen, euroskeptischen 5-Sterne-Bewegung, welcher die politische Stabilität Italiens und der Eurozone erschüttert, halten wir aktuell für übertrieben. Vielmehr sehen wir in den kommenden Monaten eine Periode „stabiler Instabilität“, wie sie Italien bereits in der Vergangenheit öfter vorkam.

 

Marktreaktion: Die Reaktion des EUR-USD auf den Ausgang des Referendums war relativ begrenzt, er fiel rund 1 % auf rund 1,055. Am Anleihemarkt erhöhte sich die Risikoprämie Italiens (10J vs DE) um 5BP rund 170BP. Diese war aber bereits vor dem Referendum von ihren Höchstständen bei 190BP deutlich zurückgegangen.

 

Unsere Einschätzung:  Ein erfolgreiches Referendum wäre ein Schritt zu mehr politischer Stabilität gewesen. Nun hat es mit dem Rücktritt von Premier Renzi stattdessen mehr Unsicherheit hervorgebracht. Allerdings halten wir sofortige Neuwahlen für unwahrscheinlich. Vielmehr dürfte der Staatspräsident einen Experten oder ein Mitglied der aktuellen Regierungskoalition mit der Regierungsbildung betrauen. Diese neue Regierung kann sich weiterhin auf eine absolute Mehrheit im Parlament stützen, so dass die Handlungsfähigkeit zumindest formal gewährleistet ist. Praktisch wird dies aber nur eine Übergangsregierung darstellen, deren Hauptaufgabe die Harmonisierung des Wahlrechts mit Blick auf den Wahltermin im Frühjahr 2018 sein wird.

Die negativen Effekte des gestrigen Referendums sehen wir daher eher mittelfristig. So stellt sich angesichts großer struktureller Herausforderungen und weiterhin schwacher Wirtschaftszahlen die Frage der generellen Reformfähigkeit Italiens. Hier ist das größte Problem die drückende Staatsschuld von 133 % des BIP. Damit ist Italien nach den USA und Japan der drittgrößte Anleihemarkt weltweit, dieser ist aber gleichzeitig wenig international durchdrungen. Nur 37 % der Staatsanleihen werden vom Ausland gehalten, während knapp 50 % im heimischen Finanzsystem liegen. Daher schlägt Instabilität bei italienischen Staatsanleihen und im politischen System sofort auf den Bankensektor durch. Eine Gefahr der gestrigen Abstimmung ist daher v.a. eine weitere Schwächung des ohnehin angeschlageneren Bankensektors. Wie in diesem Umfeld eine neue, nur bedingt handlungsfähige Regierung die Umstrukturierung des angeschlagenen Bankensektors meistern soll, ist eine der großen Unsicherheiten aus der gestrigen Abstimmung.

 

Finanzmarkt: Eine kurzfristige krisenhafte Zuspitzung an den Finanzmärkten, insbesondere bei italienischen Staatsanleihen, halten wir vor dem Hintergrund der Aussage der EZB ggf. am Markt zu intervenieren für unwahrscheinlich. Auf der Zinssitzung am Donnerstag dürfte die EZB zudem eine Verlängerung ihrer Anleihekäufe verkünden, was zusätzlich beruhigend auf den Markt wirken dürfte. Nach ein paar volatilen Handelstagen erwarten wir daher für das Jahresende keine wesentliche Erhöhung der italienischen Risikoprämie (10J vs DE). Wie in der Vergangenheit dürfte sich die Volatilität der italienischen Risikoprämie zunächst auch auf jene Portugals und Spaniens übertragen, ohne aber hier in eine deutliche Erhöhung zu münden. Für österreichische, französische, slowakische, slowenische und irische Staatsanleihen sehen wir in Erwartung der EZB-Sitzung auf 1-4 Monate hingegen noch etwas Einengungspotenzial.

Finanzanalyst: Patrick Krizan, FA

 

                                                                         Offenlegung:

Quelle: RBI/Raiffeisen RESEARCH

 

 

Risikohinweise und Aufklärungen

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Eine Darstellung der Konzepte und Methoden, die bei der Erstellung von Finanzanalysen angewendet werden, ist verfügbar unter: www.raiffeisenresearch.com/concept_and_methods.

 

Detaillierte Information zur Sensitivitätsanalyse (Verfahren zur Prüfung der Stabilität der in Zusammenhang mit Finanzanalysen unter Umständen getätigten Annahmen) sind unter folgendem Link zu finden: www.raiffeisenresearch.com/sensitivity_analysis.

 

Detaillierte Informationen zu Empfehlungen der dieser Publikation unmittelbar vorausgehenden 12 Monate zu Finanzinstrumenten und Emittenten (gem. Art. 4 (1) h) Delegierte Verordnung (EU) 2016/958 vom 9. März 2016) sind verfügbar unter: https://raiffeisenresearch.com/web/rbi-research-portal/recommendation_history.

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Bitte beachten Sie, dass sich die Analysen und Empfehlungen nur auf Finanzinstrumente beziehen, die nicht von Sanktionen gemäß EU-Verordnung Nr. 833/2014 über restriktive Maßnahmen angesichts der Handlungen Russlands, die die Lage in der Ukraine destabilisieren, in der geltenden Fassung betroffen sind. Das sind Finanzinstrumente, die vor dem 1. August 2014 begeben wurden.

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HINWEIS FÜR DAS FÜRSTENTUM LIECHTENSTEIN: Die RICHTLINIE 2003/125/EG DER KOMMISSION vom 22. Dezember 2003 zur Durchführung der Richtlinie 2003/6/EG des Europäischen Parlaments und des Rates in Bezug auf die sachgerechte Darbietung von Anlageempfehlungen und die Offenlegung von Interessenkonflikten wurde im Fürstentum Liechtenstein durch die Finanzanalyse-Marktmissbrauchs-Verordnung in nationales Recht umgesetzt.

Sollte sich eine Bestimmung dieses Disclaimers unter dem jeweils anwendbaren Recht als rechtswidrig, unwirksam oder nicht durchsetzbar herausstellen, ist diese, soweit sie von den übrigen Bestimmungen trennbar ist, so zu behandeln, als wäre sie nicht Bestandteil dieses Disclaimers. In keinem Fall berührt sie die Rechtmäßigkeit, Wirksamkeit oder Durchsetzbarkeit der übrigen Bestimmungen.

 

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Grundlegende inhaltliche Richtung dieser Publikation

- Analyse zu Volkswirtschaft, Zinsen und Währungen, Staatsanleihen und Unternehmensanleihen, Aktien sowie Rohstoffen mit den regionalen Schwerpunkten Eurozone sowie Zentral- und Osteuropa unter Berücksichtigung der globalen Märkte.

- Die Analyse erfolgt unter Einsatz der unterschiedlichen Analyse-Ansätze: Fundamentaler Analyse, quantitativer Analyse und/oder technischer Analyse.

 

Autor: Patrick KRIZAN, RBI Wien

Editor: Valentin HOFSTÄTTER, RBI Wien

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Raiffeisen Bank International AG

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Zeitpunkt der Erstellung dieser Publikation: 05.12.2016 12:22 (CET)

Zeitpunkt der Versendung dieser Publikation: 05.12.2016 12:23 (CET)

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